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Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall)

Behandlung

Die Therapie des kreisrunden Haarausfalls ist leider insbesondere bei länger bestehendem Ausfall alles andere als einfach, und wenn man als Dermatologe ehrlich ist, gibt es bis heute keine Therapieform, deren Effekt eindeutig durch Studien bewiesen werden konnte. Das liegt z.T. daran, dass wenig Interesse von Seiten der Industrie besteht, weshalb nur wenige randomisierte Studien existieren, zum Teil liegt es sicherlich auch daran, dass die Spontanheilung mit 30% im ersten Jahr relativ hoch ist. Der Effekt einer Therapie ist somit schwer beurteilbar. Trotzdem sollte man die Hoffnung nicht verlieren und die zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, da eine Heilung auch bei Patienten mit chronischem Verlauf möglich ist und man nicht selten den Krankheitsverlauf bremsen oder den Haarausfall stoppen kann.
Die Behandlung richtet sich meist nach dem Ausmaß des Haarausfalls und der Aktivität der Erkrankung. Sind nur wenige Stellen betroffen, und ist der Zupftest an behaarten Stellen negativ, erfolgt die Behandlung in erster Linie durch lokales Auftragen von Medikamenten. Zeigt die lokale Therapie keine Wirkung, oder besteht eine starke Krankheitsaktivität, erfolgt die Behandlung systemisch.

Lokale Behandlungsmethoden

Hierbei werden häufig Glukokortikoid-haltige Cremes auf die kahle Stelle und deren direkte Umgebung aufgetragen. Dazu können auch starke Glukokortikoide wie Clarelux Schaum oder Karison Crinale angewendet werden. Insbesondere Mittel in Schaumform scheinen laut Untersuchungen den Lotionen überlegen zu sein. Die Kopfhaut ist dick und widerstandsfähig, so dass die von vielen Patienten befürchteten Nebenwirkungen von Glukokortikoiden auch bei längerer Behandlung nicht auftreten.
Eine weitere Möglichkeit ist das lokale Auftragen von Mitteln, die eine milde Entzündung auf der Hautoberfläche verursachen. Sinn der Sache ist es, die Abwehrzellen, die gerade dabei sind, die Haarwurzel zu schädigen, durch das Setzen von Reizen von der Haarwurzel weg an die Hautoberfläche zu locken. Für diese Behandlung verwendet man z.B Dithranol-haltige Cremes, die aufgetragen und nach ein paar Minuten wieder abgewaschen werden. Die Behandlungsdauer wird von Tag zu Tag verlängert, solange keine zu starken Schmerzen oder zu starker Juckreiz auftreten. Die wohl erfolgsversprechendste Form der Lokaltherapie beim kreisrunden Haarausfall mit Ansprechraten von ca. 50% dürfte die sogenannte topische Immuntherapie sein. Dabei werden Mittel wie Diphenylcyprone und Quadratsäure-Dibutylester verwendet. Beide Stoffe sind obligate Allergene, d.h. so gut wie jeder, der Hautkontakt zu diesen Stoffen hatte, wird auch eine Allergie entwickeln. Das nutzt man bei der Therapie aus. Ähnlich wie das Dithranol bewirkt das wiederholte Auftragen (1x wöchentlich) auf die Kopfhaut eine Reizung, die im Vergleich zum Dithranol jedoch stärker ist und bei unsachgemäßer Anwendung schwere Entzündungsreaktionen auslösen kann. Im allgemeinen wird die Therapie jedoch gut toleriert. Diese Behandlungsmöglichkeit bleibt den schweren Fällen mit einem Haarverlust von über 50% vorbehalten, und nicht jede Kasse bezahlt die Therapie.
Eine weitere, in Deutschland jedoch selten angewendete Behandlungsform ist das Einspritzen von Glukokortokoiden (Triamcinolon) direkt in die betroffenen Stellen. Hierzu gibt es nur wenige Daten, die jedoch teilweise sehr gute Ergebnisse mit Ansprechraten über 60% angeben. In Publikationen aus dem angloamerikanischen Raum wird diese Therapie sogar als Therapie der Wahl bei Erwachsenen bezeichnet. Kontrollierte Studien gibt es dazu allerdings nicht, weshalb diese Behandlung aufgrund der potentiellen Nebenwirkungen wie Hautatrophie und Schmerzen bei uns eine untergeordnete Rolle spielt. Außerdem wäre sie nur bei Patienten mit kleinflächigem Befall anwendbar, und diese Patienten haben ohnehin eine bessere Prognose und sind mit den oben genannten Methoden ebenfalls sehr gut behandelbar.

Systemische Behandlungsform

Eine etablierte Therapieform ist das Einnehmen von Glukokortikoid-Tabletten. Dabei nehmen die Patienten das Medikament z.B. über einen Monat in absteigender Dosis ein. Danach sollte eine Kontrolle erfolgen. Sieht der Hautarzt einen Erfolg der Behandlung, so kann die Therapie auch verlängert werden.
In einigen Untersuchungen konnte ein sehr guter Effekt einer intravenösen Behandlung mit Glukokortikoiden gesehen werden. Insbesondere Patienten mit wenig Befall und erst frischer Erkrankung scheinen besonders davon zu profitieren. Allerdings trat bei den meisten Patienten die Krankheit wieder auf, nachdem die Therapie abgesetzt wurde. Aufgrund der fehlenden Datenlage bei Kindern sollte die intravenöse Therapie nur Erwachsenen vorbehalten bleiben. Es gibt einige Fallberichte, in denen eine Wirksamkeit von Methotrexat gezeigt werden konnte. Eine Verwendung dieses Medikamentes würde allerdings außerhalb der Zulassung erfolgen. Außerdem sollte man sich genau über mögliche Nebenwirkungen beraten lassen.

Prognose

Über die Prognose dieser Erkrankung lässt sich nur schwer etwas sagen. Sie hängt u.a. von der Ursache ab. Jemand, der seine Haare stressbedingt verloren hat, hat sicherlich eine bessere Prognose als jemand, dem die Haare genetisch bedingt ausgefallen sind. Auch das Ausmaß der Krankheit hat einen Einfluss auf die Prognose. Bei Patienten mit nur wenigen und kleinen betroffenen Stellen kommt es eher zu spontanen Abheilungen als bei Patienten mit großflächigem Ausfall. Von Vorteil ist auf jeden Fall eine frühzeitige Vorstellung beim Hautarzt. Weitere Untersuchungen lassen eine schlechtere Prognose bei Patienten vermuten, die schon in der Kindheit erkrankt sind, Veränderungen an den Nägeln haben, die weitere Autoimmunerkrankungen (z.B. der Schilddrüse) aufweisen oder die zusätzlich an einer Neurodermitis leiden..

 

 

 

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Haarausfall und Alopezie

1. Teil - Einleitung
2. Teil - Androgenetische Alopezie
3. Teil - Hormoneller Haarausfall der Frau
4. Teil - Alopecia areata