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Syphilis (Lues)

Stadien

Die Syphilis verläuft für gewöhnlich in drei Stadien.

Stadium I

Zeitraum von ca. 6 Wochen nach der Infektion - Nach einer Inkubationszeit von 3 Wochen tritt meist an der Hautstelle, mit der die Treponemen Kontakt hatten, ein Geschwür auf (Primäraffekt). Meist handelt es sich dabei um das äußere Genitale, aber prinzipiell ist je nach Sexualpraktiken das Auftreten auch an der Mundschleimhaut oder jeder anderen Stelle der Haut möglich. Etwa eine Woche später kommt es zum Anschwellen der Lymphknoten in einer Leiste, nach einer weiteren Woche schwellen meist auch die Lymphknoten der Gegenseite an (befindet sich das Geschwür im Mundbereich, kommt es zum Anschwellen der Halslymphknoten). Primäraffekt und Schwellung der regionalen Lymphknoten werden auch als Primärkomplex bezeichnet. Das Geschwür wird durch eine Verdickung der Gefäßwände und durch das Austreten von Lymphozyten und Plasmazellen um das Gefäß hervorgerufen und ist verhärtet tastbar (harter Schanker oder Ulcus durum). Normalerweise entsteht der harte Schanker sehr schnell aus einem Knötchen und ist nicht schmerzhaft. Die Abheilung erfolgt meist spontan nach mehr als 3 Wochen. Serologische Tests sind im Primärstadium meist noch negativ.
Patienten im Stadium I sind ansteckend.

 

Stadium II

Zeitraum von ca. 8 Wochen nach dem Stadium I - Das Stadium II verläuft meist unbemerkt und tritt bei nur etwa 1/4 der Patienten auf. Das charakteristischste Zeichen der Sekundärsyphilis ist ein stammbetonter Ausschlag mit rötlich-braunen Flecken und später auch schuppenden Papeln begleitet von Fieber und körperlicher Abgeschlagenheit. Bei der Hälfte der Patienten tritt zudem ein generalisiertes Anschwellen der Lymphknoten auf. Der Ausschlag verursacht im Vergleich zu anderen Krankheiten mit ähnlichem Erscheinungsbild (z.B. Virusexanthem, Arzneimittelexanthem) keinen Juckreiz. Typischerweise sind die Handflächen und Fußsohlen ebenfalls betroffen was zu einer Verwechslung mit einer Schuppenflechte führen kann. Gelegentlich treten die rötlichen Flecken kronenförmig an der Stirn entlang der Haargrenze auf und werden dann Corona venerea genannt. Nicht selten kommt es zum fleckförmigen Ausfall der Kopf- und Gesichtsbehaarung (Alopecia syphilitica). In den Arealen des ehemaligen Primäraffektes treten häufig Papeln und Knötchen auf, die insbesondere im Anogenitalbereich zu großflächigen Plaques konfluieren können (Condylomata lata). Bei immunschwachen Patienten (z.B. bie HIV) kommt es gelegentlich zu Ulzeration der Papeln am gesamten Körper (Lues maligna). Bereits im Stadium II kann es zum Befall innerer Organe und des Nervensystems kommen. Der Befall des Nervensystems macht sich hauptsächlich durch Kopfschmerzen bemerkbar. Bei immungesunden Patienten sind alle Symptome der Sekundärsyphilis reversibel. Serologische Tests sind im Sekundärstadium positiv.
Patienten im Stadium II sind größtenteils hochansteckend.

 

Stadium III (latente Lues)

Nach Abheilen des Sekundärstadiums kommt es meist zu einer Phase ohne Beschwerden. Diese Latenzzeit kann 5-50 Jahre betragen. In diesem Stadium sind die Patienten zumindest über sexuellen Kontakt nicht ansteckend. Serologische Tests sind positiv.

 

Stadium IV (Spätlues)

Nur etwa 25% der Patienten im Stadium III oder etwa 10% der Gesamtpatienten stellen sich mit Symptomen einer Spätlues vor. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass die Spätlues immer seltener vorkommt. Ein wichtiger Grund ist vermutlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man wegen einer anderen Erkrankung wie z.B. einer Mandelentzündung mit Penicillin behandelt wird, heutzutage sehr hoch ist. Das führt dazu, dass man quasi unbeabsichtigt die Syphilis gleich mitbehandelt.
Das Stadium IV macht sich hauptsächlich durch das Auftreten rötlicher Knötchen bemerkbar, die häufig ring- oder hufeisenförmig angeordnet sind und sehr das Bild einer Pilzerkrankung, Mycosis fungoides oder Schuppenflechte imitieren können. Erneut lassen sich die syphilitischen Hautveränderungen von anderen Erkrankungen dadurch unterscheiden, dass sie zumeist symptomlos sind. Weiterhin treten häufig Abszesse (Gummen) auf, die überall am Körper vorkommen können (auch an inneren Organen) und meist spontan ulzerieren. Die Ulzera sind scharf begrenzt und wirken wie ausgestanzt. Eine typische Lokalisation für Gummen ist der Gaumen.
Gefürchtete Spätfolge einer Syphilis ist der Befall des Nerven- und des Herz-Kreislaufsystems. Die Hautveränderungen bei der Syphilis werden durch den Befall der Gefäße verursacht. Genauso wie die kleinen Gefäße der Haut betroffen sein können, können auch die großen Gefäße wie die Aorta befallen sein, wodurch es im Verlauf zur Ruptur und inneren Verblutung kommen kann. Die Symptome der Neurosyphilis sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von Schwindel, Erbrechen, Kopfschmerzen über Nervenschmerzen, Sehschwäche und Hörminderung bis zum kompletten Nervenausfall und dadurch bedingte Lähmungen bei einer Tabes dorsalis.

Sonderform kongenitale Syphilis

Wie bereits erwähnt, kann der Syphilis-Erreger bereits im Mutterleib über die Plazenta auf das Kind übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung hängt von der Dauer der Erkrankung der Mutter ab und liegt bei etwa 60%. Häufig zeigen die Neugeborenen keine Anzeichen einer Erkrankung, aber wenn doch, handelt es sich meist um rötliche Flecken, die besonders an den Extremitäten mit punctum maximum an den Handflächen und Fußsohlen vorkommen. Auf diesen Läsionen können Bläschen entstehen (Pemphigus syphiliticus). Die Schleimhäute können ebenfalls betroffen sein und sind durch Beläge und Entzündungen gekennzeichnet, die zu serös-blutigem Auslauf aus der Nase führen können. Gelegentlich kommt eine Entzündung des Knochenknorpels vor (Osteochondritis). Auch bei der kongenitalen Syphilis sind die Frühsymptome meist reversibel. Spätsymptome treten für gewöhnlich nach einem Alter von 2 Jahren auf. Hierzu gehören Entzündungen der Augen, insbesondere der Hornhaut, mit der Gefahr der Erblindung und Befall des Nervensystems mit den möglichen Folgen einer Taubheit oder sonstigen Nervenausfällen. Ganz typisch sind auch sogenannte Tonnenzähne (Hutchinson-Zeichen), eine Mißbildung der oberen Schneidezähne mit z.T, angefressen wirkenden Schneidekanten, die zusammen mit der Hornhautentzündung und Taubheit zur Hutchinson-Trias gezählt werden. Entzündungen an Gaumen und an der Nasenscheidewand führen nicht selten zur Perforation des Gaumens oder zur Entstehung einer sogenannten Sattelnase.

Behandlung und Prognose

 

 

 

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